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Gesetzliche Herausforderungen für Handelsunternehmen – Drei Gründe, warum Sie spätestens jetzt handeln müssen!

Viel war in den vergangen Wochen über die Informationspflichten beim Onlineverkauf von Kosmetikprodukten zu lesen und zu hören.

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einem der Onlineshops/Marktplätze unterwegs und stöbern nach Kosmetikprodukten. Sie finden ihren zugegebenermaßen teuren, aber für Sie eigentlich unverzichtbaren Lieblingsduft, sehen neuerdings ein Ausrufezeichen und den Satz “Verursacht Hautreizungen und schwere Augenreizungen!”.

Sie stellen sich als Kunde nun die Frage: „Warum ist mein Lieblingsparfum auf einmal gefährlich?!“ Der Grund ist: Pflegeprodukte wie Deodorants, Antitranspirantien oder Parfums  sind aus chemikalienrechtlicher Sicht als gefährliche Produkte anzusehen. Antitranspirante enthalten in vielen Fällen als potentiell krebserregend (karzinogen) angesehene Aluminiumsalze; Parfums enthalten oftmals Allergieauslöser oder haut- und augenreizende Stoffe.
Als Konsument ziehen Sie dann vielleicht den Schluss: “Dieses giftige Produkt werde ich künftig nicht mehr kaufen!” Dafür lieber ein ähnliches Produkt, dass diese gefährliche Kennzeichnung nicht aufweist und scheinbar nicht so ungesund ist.

Im geschilderten Fall wäre sicher das andere, vermeintlich “ungiftige” Parfum ebenfalls als reizend eingestuft, allerdings waren hier wie so häufig in der Praxis die Artikelstammdaten und das Sicherheitsdatenblatt (SDB) nicht vorhanden, sodass hier nicht nur der Käufer auf ein anderes, vielleicht margenschwächeres Produkt geleitet, sondern aus Transparenzsicht auch noch vom Onlinehändler im Stich gelassen wurde.

Ähnlichen Herausforderungen sehen sich alle Webshop Verantwortlichen ausgesetzt. Gegen bekannte Händler, Online-Plattformen und Marktplätze wird der Vorwurf nach mangelnder Transparenz für deren Käufer immer häufiger erhoben – mit der Folge massiver Imageschäden und Umsatzeinbußen.

Unbestrittener Fakt ist: Gefährliche Produkte, seien es Kosmetika, Reinigungsmittel oder Sprühfarben unterliegen im Einzelfall, abhängig von der Produktkategorie, gänzlich unterschiedlichen europäischen Verordnungen. Beispielsweise gelten für Kosmetika neben der jeweils gültigen Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 nebst Anhängen, bestimmte Ausnahmen in der Online Kennzeichnung und von der CLP-Verordnung 1272/2008 (EU). Von durch Händler zu beachtende, vom EU Recht abweichende nationale Besonderheiten wie die deutsche Gefahrstoffverordnung einmal ganz abgesehen. Hier den Überblick zu behalten verlangt der Gesetzgeber aber explizit vom Handel. Nehmen Sie die Zügel spätestens jetzt in die Hand, damit Sie hier nicht im fatalen Blindflug unterwegs sind.

Wussten Sie, dass Produkte wie bestimmte Reinigungsmittel oder Haushaltsprodukte sehr wohl im Laden, jedoch ausdrücklich nicht online verkauft werden dürfen? Auch im stationären Handel gibt es etliche Ausnahmen und Verbote. Die sich ständig ändernden gesetzlichen Regelungen wie die CLP-Verordnung 1272/2008 (EU) stellen den Omnichannel-Handel vor zunehmende Herausforderung bei der Listung und bei der Entscheidung, welche Produkte zwar im stationären Handel, nicht aber im Webshop verkauft werden dürfen. Ganz zu schweigen von der Verpflichtung des Handels auf Anfrage gewerblicher Käufer jederzeit die aktuellen, gesetzlich vorgeschrieben SDB auszuhängen. Wie sollen Händler dies angesichts tausender betroffener Produkte und der sich ständig ändernden Gesetzeslage bei den ohnehin knappen Margen ohne externe Unterstützung überhaupt leisten?

Für das treffen dieser Entscheidungen ist nämlich nicht nur Spezialwissen über die relevanten gesetzlichen Regelungen unabdingbar, sondern – eng damit verbunden – die Beschaffung absolut vertrauenswürdiger und vollständiger Produktstammdaten inklusive der gesetzlich vorgeschriebenen Dokumente, wie u.a. Sicherheitsdatenblätter.

Um das Thema rechtssicheren Vertrieb von Gefahrstoffen und Gefahrgütern überhaupt abbilden zu können, benötigt der Handel 4.0 einen leistungsstarken Partner, der die unabdingbare Konformität im Rechts-Dschungel gegenüber dem Gesetzgeber und dem Kunden für die notwendigen Sicherheitsdatenblätter sicherstellt.

Hier kann Ihnen mein Team der 1WorldSync Gefahrstoffmanagementlösungen helfen. Als weltweit führende Plattform für Produktdaten verfügen unter anderem auch über das erforderliche Fach Know-how aus den Bereichen Gefahrstoffmanagement, Gefahrgutrecht und Sicherheitsdatenblättern.
Dank unserer seit Jahren gewachsenen Infrastruktur, der effizienten Prozesse und nicht zuletzt aufgrund unserer tiefen Wurzeln im Chemikalienrecht sorgen wir für Ihre Konformität von Gefahrstoffen und Gefahrgütern.

“Ein Restrisiko besteht doch immer, warum sollten wir jetzt handeln?”

Wenn Sie sich und Ihr Unternehmen in obiger Aussage wiederfinden, so gebe Ich Ihnen gerne einen letzten, unschlagbaren Grund und Ratschlag in Form eines Zitats mit auf Ihren Weg:

Denken Sie immer daran:

“Das Restrisiko ist das Risiko, das einem den Rest gibt.”
(von Unbekannt)

Do It Right First Time (DIRFT-Konzept)

Im Zusammenhang mit der Qualität von Artikelstammdaten taucht immer wieder das sogenannte „DIRFT-Konzept“ auf. Wo kommt dieses Konzept her und was bedeutet es eigentlich im Zusammenhang mit der Qualität von Artikelstammdaten?

Der Erfinder des Konzepts ist Philip Bayard Crosby (1926- 2001). Er gilt als einer der Denker der Qualitätswissenschaft mit dem Tätigkeitsschwerpunkt des Null-Fehler-Programms (vgl. Kamiske, Qualitätsmanagement von A bis Z, 2011, S. 41f). Er entwickelte es als Antwort auf die Qualitätskrise der späten 1970er und in den 1980er Jahren, in denen vor allem amerikanische und europäische Hersteller, aufgrund der höheren Qualität der japanischen Produkte, Marktanteile an japanische Hersteller verloren haben (vgl. Crosby, Quality Is Free – The Art Of Making Quality Certain, 1980, S. 3ff). Das Null-Fehler-Programm zielt auf eine mängelfreie Produktion ohne Ausschuss und Nacharbeiten ab. Es duldet keinerlei „akzeptable“ Fehlerquoten und keine Nachbesserungen. Stattdessen ist eine Produktion stets ohne Fehler anzustreben. In seiner kostenorientierten Betrachtung stellt der Qualitätswissenschaftler fest, dass nicht die qualitativhochwertige Fertigung die Produktionskosten in die Höhe treibt, sondern die Nichteinhaltung bestimmter Vorgaben die Gesamtkosten ansteigen lassen. Es entsteht demnach ein Fehlleistungsaufwand (vgl. Kamiske, Qualitätsmanagement von A bis Z, 2011, S. 138).

Das Gesamtkonzept wird in der Literatur vereinfacht als DIRFT-Ansatz bezeichnet. Dabei steht das Akronym für den von Crosby formulierten Leitsatz „Do it right the first time“ (vgl. Chemuturi, Mastering Software Quality Assurance, 2010, S. 15ff). Ins Deutsche übersetzt lässt es sich mit: „Dinge direkt beim ersten Mal richtigmachen!“ umschreiben.

Übertragen auf eine prozessbezogene Artikelstammdatenqualitätsoptimierung, zielt das DIRFT-Konzept auf die Fehlervermeidung im Vorfeld und während des gesamten Artikelstammdaten-prozesses ab. Es ist damit eine proaktive Strategie zur Verbesserung der Datenqualität (vgl. Redman, Data Quality For The Information Age, 1996, S. 11ff). Die Vermeidung von Fehlern orientiert sich an der Einhaltung bestimmter Anforderungen oder Spezifikationen (vgl. Liesmann (Hrsg.), Controlling und Kostenrechnung, 1997, S. 553). Dies können beispielsweise die Nutzungsvorgaben und Regeln des GDSN-Standards respektive die Anforderungen des Data Quality Gates für den deutschen Zielmarkt sein (vgl. https://www.gs1-germany.de/gs1-solutions/stammdaten/data-quality-gate/).

Bei der Artikelstammdatenanlage bedeutet DIRFT demnach nichts anderes, als die Daten bei der Ersterfassung gleich richtig im IT-System einzugeben. Es gilt die Maßgabe, dass die Daten sowohl im Hause des Lieferanten, als auch in der nachfolgenden Wertschöpfungskette des Handels und der Endkonsumenten ohne Nachkorrekturen und ohne Einschränkungen nutzbar sind. Das Nachbearbeiten von Artikelstammdaten – im Sinne von reaktiven Datenqualitätsmaßnahmen – ist zu vermeiden.

Dinge beim ersten Mal gleich richtig zu machen, wird die Artikelstammdatenpfleger/-innen nicht davon abhalten Fehler zu machen. Es wird allerdings dazu ermutigt, sich ständig zu verbessern und proaktive Maßnahmen zur Optimierung der Datenqualität anzustreben. Außerdem werden sie die wertschöpfungsübergreifende Nutzung der Artikelstammdaten stets im Blick haben

Rampenmanagement

Nachhaltiges Rampenmanagement und Datenqualität – Wie geht das zusammen?

Neulich habe ich mir auf dem Logistik-Roundtable des EHI (Euro Handels Institut) und des HDE (Handelsverband Deutschland) in der Technischen Hochschule Ingolstadt einen Vortrag zum Projekt  “Nachhaltiges Rampenmanagement” (NARAMA) angehört. Präsentiert wurden die Forschungsergebnisse des Projekt von Niels Hackius vom Institut für Logistik und Unternehmensführung von der Technischen Hochschule in Hamburg-Harburg. Bei diesem Forschungsprojekt geht es um die Optimierung von logistischen Schnittstellen nach ökologischen, sozialen und ökonomischen Kriterien.
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Anstieg unstrukturierter Daten

Big Data: Nicht ohne DQM!

Sascha Kasper,  Director Solution Partners & New Businesses bei 1WorldSync, schreibt über Big Data:

Wenn über Big Data gesprochen wird, ist die Diskussion über unstrukturierte Daten nicht weit. Das hat auch die Fachtagung “Big Data im Alltag – Welchen Nutzen hat der Anwender heute und in der Zukunft?”, die am 25. Februar 2016 in der Industrie und Handelskammer (IHK) Dortmund stattfand, wieder gezeigt. Denn das Thema Datenqualität kam erwartungsgemäß nicht zu kurz. Kein Wunder, denn die Deutsche Gesellschaft für Informations- und Datenqualität e.V. (DGIQ) hat dieses Event mit veranstaltet.

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Artikelstammdatenqualität zum Anfassen

Was haben die Artikelbezeichnungen Toilettensitz, Müsliriegel und Parfümflasche gemeinsam?

Die Anregung zu diesem Blog-Beitrag bekam ich aus dem GS1 Germany Artikel  zum Thema Stammdatenqualität in der Baumarktbranche  und der darin gestellten Frage, was die Branche quält, wenn die Artikelstammdaten nicht den gewünschten Anforderungen der Datennutzer entsprechen. Im Zuge meiner zusätzlichen Recherche zum Thema bin ich auf den englischen Beitrag von Henrik Liliendahl Sørensen aus Dänemark gestoßen, der sich mit einem Produkt beschäftigt, welches im Baumarkt nicht fehlen darf: Frei übersetzt lautet der Artikel “Was hat ein Toilettendeckel mit Datenqualität zu tun?
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Ursachen mangelnder Datenqualität

In dieser Woche fand die jährliche Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Informations- und Datenqualität e.V. (DGIQ) in Offenbach statt, deren  Mitglied ich seit einigen Jahren bin. Der Verein sieht es als einer seiner Kernaufgaben an, dass Thema “Datenqualität” mehr und mehr in den Fokus der Betrachtung zu rücken, wenn es um die Datenerfassung, -haltung und -verarbeitung geht. In diesem Zusammenhang wird dann oft die Frage gestellt, warum kann es in einem Unternehmen überhaupt zu Datenqualitätsproblem kommen? Kurz: Was sind die Ursachen für Datenqualitätsprobleme und welche sind dies im Bereich der Artikelstammdaten im Speziellen? Continue reading