Insektengift statt Bio – Die Folgen des „Eierskandals“

Haben Sie in letzter Zeit auch auf Ihr Frühstücksei verzichtet?

Seit bekannt geworden ist, dass in massenhaft europäischen Hühnereiern das Insektizid „Fipronil“ gefunden wurde, hat sich der Konsum von Eiern oder eihaltigen Lebensmitteln stark reduziert.
Zu spüren bekommen dies nicht nur die Erzeuger der Eier oder die verarbeitende Industrie.
Auch für den Handel sind die Folgen des Skandals noch nicht in vollem Umfang absehbar.
Werden Verbraucher zukünftig Ihren Konsum reduzieren? Wie ist es um den Umsatz mit betroffenen Produkten bestellt?

Was hat zu diesem aktuellen “Eierskandal” geführt?


Es begann dem Anschein nach alles ganz harmlos mit einem simplen „Reinigungsmittel“, dass für Tierzuchtbetriebe, insbesondere die Geflügelzucht, entwickelt wurde. Dieses Reinigungsmittel „Dega-16“ wurde in der Vergangenheit von diversen Reinigungsunternehmen der Branche bei der Reinigung von Geflügelställen angewendet und vom belgischen Hersteller als „Wundermittel“ im Kampf gegen Parasiten angepriesen.
Spätestens an dieser Stelle hätten Händler und verarbeitende Unternehmen stutzig werden müssen, hätte dieses Produkt doch aufgrund seiner Wirkung auf dem Produktetikett als Biozidprodukt ausgelobt werden müssen. Dies war anscheinend nicht der Fall.
Ebenfalls scheint dieses Produkt nicht wie vom Gesetzgeber gefordert als Biozidprodukt zugelassen worden zu sein, was anhand der fehlenden Registrierungsnummer auf dem Etikett, spätestens aber nach einer Anfrage bei der Behörde zu erkennen gewesen sein sollte.
Dem Produkt wurde nach neuesten chemischen Analysen zufolge nicht nur der Pflanzenschutz-Wirkstoff „Fipronil“, sondern ebenfalls der noch gefährlichere Wirkstoff „Amitraz“ beigemengt. Beide unterliegen einem europäischen Verwendungsverbot in der Lebensmittelindustrie und hätten in „Dega-16“, das für ebendiese Branche ausgelobt wurde, nicht eingesetzt werden dürfen.


Was passiert nun mit den Unternehmen, die das gepanschte Reinigungsmittel trotz der offen erkennbaren Bioziden Wirkung im Lebensmittelbereich eingesetzt oder das Produkt vertrieben haben?

Umwelt- und Verbraucherschutzverbände scharren bereits mit den Hufen: Sie werfen den Beteiligten (Hersteller, Händler, Lieferanten und Verwender) vor, sie hätten als Akteure der Lieferketten erkennen müssen, dass ein gegen Parasiten wirksames Produkt Biozide enthalten muss. Sie hätten prüfen müssen, welchen Wirkstoff das Produkt enthält. Sie hätten anhand des Sicherheitsdatenblattes erkennen müssen, dass verbotene Substanzen enthalten sind.
Oder wie im vorliegenden Fall auch nicht. Denn das Sicherheitsdatenblatt zum Produkt war nicht korrekt erstellt. Es wurde schlicht und einfach unterschlagen, dass die Wirkstoffe hinzugepanscht wurden. Die Lieferkette hat hier in Summe versagt und mit der Gesundheit der Bevölkerung gespielt.

Laut statistischem Bundesamt wurden alleine in Deutschland in 2015 ca. 369.000 gesetzlich notwendige Sicherheitsdatenblätter verwendet. Die Statistiken aus der Sicherheitsdatenblatt-Überprüfung der 1WorldSync HazMat Compliance Lösung zeigen, dass europaweit ca. 35 % aller Lieferanten-Sicherheitsdatenblätter grobe Fehler aufweisen. Ein Händler, oder anderer Akteur der Lieferkette, muss diese Fehler erkennen und sie dem Hersteller/Lieferanten melden oder gegebenenfalls selbst die benötigten Informationen zusammenstellen. Liegt ein Sicherheitsdatenblatt für gefährliche Produkte gänzlich nicht vor und können Sie Ihren Kunden vor und nach dem Kauf diese Informationen nicht zur Verfügung stellen kann hier – wie auch bei groben Fehlern im Sicherheitsdatenblatt – ein Straftatbestand vorliegen.

Stellen Sie sich vor, es handelte sich in diesem Skandal um eins Ihrer Eigenmarkenprodukte, z.B. einen Bad-Reiniger mit fungizider Wirkung. Haben Sie als Händler Transparenz und Kenntnis darüber, welchen Pflichten Sie mit Ihren Eigenmarkenprodukten, deren Hersteller Sie sind, unterliegen?
In diesem Falle sind Sie in voller Härte für das Produkt haftbar. Auch für nicht oder falsch deklarierte Biozidprodukte oder verschwiegene gefährliche Bestandteile. Erst recht für ein falsches oder fehlendes Sicherheitsdatenblatt. Denn Sie agieren im Eigenmarken-Kontext als Hersteller.

Obwohl noch längst nicht alle Details des Skandals geklärt sind, wird der Gesetzgeber sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene Konsequenzen aus dieser Verbraucherschutzkatastrophe ziehen. Der Handel muss sich, sowohl bei Zukaufsprodukten als auch bei Eigenmarken, nicht nur im Lebensmittelbereich, sondern vor allem im Bereich der Chemieprodukte (Reiniger etc.), auf eine Verschärfung der Kennzeichnungsvorschriften und verstärkte Behördenkontrollen einstellen.

Aktuelle und verfügbare Sicherheitsdatenblätter sind entscheidend für Ihren Geschäftserfolg. Vermeiden Sie Geldbußen, Entschädigungsforderungen und Imageschäden durch gesetzeskonforme Erfüllung Ihrer Informationspflicht.

Gerne unterstützen wir auch Sie mit unserer 1WorldSync HazMat Compliance Solution, um Ihre Compliance-Risiken zu minimieren.

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