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Was heißt “Variante einer GTIN” eigentlich genau?

In den letzten Wochen mehren sich Anfragen von GDSN-Nutzern, wie das Thema “Varianten” mit dem Major Release (MjR) gehandhabt wird, und was unter einer Variante zu verstehen ist. Beim internationalen GDSN-Treffen im Sommer in Chicago wurde dieser Aspekt ebenfalls erörtert und die Datenpool-Betreiber wurden gebeten, eine entsprechende Analyse zu erstellen. Die Ergebnisse sollten anschließend beim nächsten GDSN-Treffen in Rom vorgestellt werden.

Die 1WorldSync GmbH ist dieser Aufgabe nachgekommen und hat hierzu ein entsprechendes Dokument erarbeitet. Das Dokument mit dem Namen “GDSN Major Release 3 Production Variant” steht im Download-Center (http://www.1worldsync.com/web/de/download-center) unter der Rubrik “WS2 GDSN/GDSN Major Release 3” zur Nutzung zur Verfügung. Das Dokument definiert allerdings nicht nur die Variante, sondern beantwortet u. a. auch die Frage, warum 1WorldSync nicht plant, die im MjR vorhanden Möglichkeiten zur Nutzung der Varianten-Informationen mit dem Start des MjR im Frühjahr 2016 in den Benutzeroberflächen, sprich WS|Publishing, WS|Approval und Item Manager (IM), umzusetzen.

Allerdings ist dies nicht das Thema dieses Blogbeitrags. Hier geht es vielmehr darum, den Begriff der Variante genauer zu verstehen. Demnach lassen sich Varianten wie folgt spezifizieren:

  • Sie sind verschiedene Variationen der gleichen GTIN, die zur selben Zeit in der Lieferkette auftreten.
  • Sie ermöglichen, alle Produktinformationen für eine GTIN im Netzwerk zu variieren.
  • Die Daten der Varianten werden zur gleichen Zeit für die gleiche GTIN gesendet; dies ermöglicht die Bestellung und Auftragsabwicklung der jeweiligen beschriebenen Varianten.
  • Sie gewährleisten die Darstellung der Verfügbarkeiten von Produktdaten für das Endkundengeschäft unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Fernabsatzes.

Die wichtigsten Aspekte dieser Definition sind offensichtlich die Identifikation der unterschiedlichen Varianten und die zeitgleiche Verfügbarkeit von Varianten im Markt. Wenn

  • eine Variante A über eine gegenüber einer Variante B leicht geänderte Rezeptur oder Zusammensetzung verfügt,
  • hierfür keine neue GTIN vergeben wird,
  • dies im Einklang mit den GTIN-Vergaberichtlinien steht und
  • die Änderung als relevant für die Kommunikation im B2B- und B2C-Handel erachtet wird,

ist dies ein treffendes Beispiel für eine Variante gemäß Definition anzusehen. Den Sachverhalt verdeutlicht die Abbildung unten (in Anlehnung an GS1 France, vgl. Guide de mise en oeuvre du standard GS1 pour aider les entreprisres à répondre aux exigences du règlement ue n°1169/2011 sur la vente à distance de denrées alimentaires, GS1 France [Hrsg.], 2014, S. 57).
Varianten einer GTIN

Zur Identifikation der beiden Varianten hält der GDSN-Standard ein entsprechendes Attribut bereit. Hierbei handelt es sich um ein Textfeld, welches vom Datensender frei befüllt werden kann. So können Variante A und B entsprechend bezeichnet und u. U. auch identifiziert werden. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese Information ausreicht, damit beide Varianten in der Wertschöpfungskette sauber auseinandergehalten werden können.

Was kann der Mitarbeiter im Lager machen, um die beiden Varianten zu unterscheiden? Wenn beide Varianten nicht zeitgleich vorkommen könnten, wäre die Differenzierung einfach, weil beide Varianten sich im Zeitablauf abwechseln. Gemäß der hier erörterten Definition trifft dies allerdings nicht zu. Die Komplexität steigt mit der Anlieferung der unterschiedlichen Varianten in das Logistikzentrum des Händlers. Für den Distanzhandel ist in der Folge notwendig, dass beide Varianten vom Konsumenten online bestellt werden können und nur die tatsächlich bestellte Variante beim Besteller vor Ort ankommen darf.

Unabhängig von benötigten unterschiedlichen Daten der Varianten A und B ist es also wichtig, dass sie sauber in der Wertschöpfungskette differenziert werden können, wenn sie zeitgleich vertrieben werden. Führt dies strategisch zu einer neuen Identifikationsnummer? Wenn ja, dann sind wir hier beim Thema „Next Generation Product Identification (NGPI)“? Die Standardentwicklung in GS1 und GDSN wird es zeigen.

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